Synflorix

Synflorix Pneumokokkenpolysaccharid-Konjugatimpfstoff (adsorbiert)

Was ist Synflorix?

Synflorix ist ein Impfstoff. Es ist als Injektionssuspension erhältlich, die Teile des Bakteriums Streptococcus pneumoniae (S. pneumoniae) enthält.

Wofür wird Synflorix angewendet?

Synflorix wird zum Schutz von Säuglingen und Kleinkindern im Alter von sechs Wochen bis fünf Jahren gegen invasive Erkrankungen, Pneumonie (Lungenentzündung) und akute Otitis media (Mittelohrentzündung), die durch S. Pneumoniae verursacht werden, angewendet. Eine invasive Erkrankung tritt auf, wenn sich das Bakterium im Körper ausbreitet und schwerwiegende Infektionen wie Septikämie (Blutinfektion), Meningitis (Infektion der Hirn- und Rückenmarkshäute) und Pneumonie verursacht.

Das Arzneimittel ist nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich.

Wie wird Synflorix angewendet?

Das Impfschema für Synflorix richtet sich nach dem Alter des Kindes und sollte den offiziellen Impfempfehlungen folgen.

  • Säuglinge im Alter von sechs Wochen bis sechs Monaten erhalten drei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat zwischen den Dosen, wobei die erste Dosis in der Regel im Alter von zwei Monaten gegeben wird. Eine vierte Dosis wird als „Auffrischimpfung“ mindestens sechs Monate nach der dritten Dosis empfohlen, vorzugsweise wenn das Kind 12 bis 15 Monate alt ist. Wird Synflorix im Rahmen eines Programms zur routinemäßigen Immunisierung von Säuglingen angewendet (wenn alle Säuglinge in einem Gebiet etwa um dieselbe Zeit geimpft werden), können ab dem Alter von zwei Monaten zwei Dosen im Abstand von zwei Monaten gegeben werden, gefolgt von einer Auffrischimpfung mindestens sechs Monate später.
  • Frühgeborene (zwischen der 27. und 36. Schwangerschaftswoche geboren) erhalten drei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat zwischen den Dosen, wobei die erste Dosis im Alter von zwei Monaten gegeben wird. Eine vierte Dosis wird als Auffrischimpfung mindestens sechs Monate nach der dritten Dosis empfohlen.
  • Säuglinge im Alter von sieben Monaten bis elf Monaten erhalten zwei Dosen im Abstand von mindestens einem Monat. Eine dritte Dosis wird als Auffrischimpfung mindestens zwei Monate nach der zweiten Dosis im zweiten Lebensjahr des Kindes empfohlen.
  • Kinder im Alter von 12 Monaten bis fünf Jahren erhalten zwei Dosen im Abstand von mindestens zwei Monaten.

Der Impfstoff wird bei Säuglingen in den Oberschenkelmuskel und bei Kleinkindern in den Oberarmmuskel injiziert. Es wird empfohlen, dass alle Kinder, die bereits eine erste Dosis Synflorix erhalten haben, die vollständige Impfserie mit Synflorix abschließen.

Wie wirkt Synflorix?

Impfstoffe wirken, indem sie dem Immunsystem (der natürlichen Abwehr des Körpers) „beibringen“, wie es sich gegen Krankheiten wehren kann. Wenn der Impfstoff bei einer Person angewendet wird, erkennt das Immunsystem Teile des in dem Impfstoff enthaltenen Bakteriums als „körperfremd“ und bildet Antikörper dagegen. Das Immunsystem ist nun in der Lage, diese Antikörper schneller zu bilden, wenn es dem Bakterium erneut ausgesetzt ist. Dies trägt zum Schutz vor der Krankheit bei.

Synflorix enthält geringe Mengen an Polysacchariden (eine Zuckerart), die aus der Hülle des Bakteriums S. pneumoniae gewonnen wurden. Diese Polysaccharide wurden zunächst gereinigt und dann einer Trägersubstanz hinzugefügt (konjugiert), um sie für das Immunsystem besser erkennbar zu machen. Der Impfstoff wird außerdem noch „adsorbiert“, d. h. an Aluminiumhydroxid angekoppelt, um eine stärkere Reaktion zu stimulieren.

Synflorix enthält die Polysaccharide von zehn verschiedenen Typen von S. pneumoniae (Serotypen 1, 4, 5, 6B, 7F, 9V, 14, 18C, 19F und 23F). Diese sind in Europa für schätzungsweise 56 % bis 90 % aller Fälle von invasiven Erkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren verantwortlich, die von S. pneumoniae verursacht werden.

Wie wurde Synflorix untersucht?

Synflorix wurde in einer Großstudie untersucht, an der mehr als 30 000 Kleinkinder unter 7 Monaten teilnahmen, die entweder Synflorix oder einen Vergleichsimpfstoff erhielten, der nicht gegen S. pneumoniae wirkt. Die Kinder wurden anschließend über einen durchschnittlichen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet, um festzustellen, wie wirksam Synflorix zur Verhinderung invasiver Erkrankungen war.

Synflorix wurde in einer weiteren Großstudie untersucht, an der mehr als 24 000 Kleinkinder im Alter zwischen 6 und 16 Wochen teilnahmen; im Mittelpunkt dieser Studie stand der Nutzen des Impfstoffs zur Verhinderung von ambulant erworbener Pneumonie. Die Kinder in dieser Studie erhielten entweder Synflorix oder einen Vergleichsimpfstoff, der nicht gegen S. pneumoniae wirkt, und wurden über durchschnittlich 30 Monate nachbeobachtet.

Es wurde eine weitere Hauptstudie durchgeführt, um festzustellen, ob Synflorix akute Otitis media verhindern kann. In der Studie, die fast 5 000 Säuglinge im Alter von drei Monaten umfasste, wurde ein Prüfimpfstoff, der dieselben Polysaccharide wie Synflorix enthält, mit einem anderen Impfstoff verglichen, der nicht gegen Infektionen mit S. pneumoniae wirksam ist (in diesem Fall ein Impfstoff gegen das Hepatitis-A-Virus). Die Kinder wurden bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr nachbeobachtet.

Die Fähigkeit von Synflorix, die Bildung von Antikörpern auszulösen (Immunogenität), wurde in einer Hauptstudie mit 1 650 gesunden Säuglingen im Alter zwischen sechs und zwölf Wochen untersucht. Synflorix wurde mit einem anderen Impfstoff verglichen, der in der Europäischen Union (EU) zum Schutz von Kindern vor Infektionen mit S. pneumoniae zugelassen ist und sieben der zehn in Synflorix enthaltenen Polysaccharide enthält. Im Rahmen der Studie wurde die Immunogenität der beiden Impfstoffe gegen die verschiedenen Polysaccharide verglichen.

In weiteren Studien wurden die Wirkungen von Auffrischimpfungen und Impfungen bei älteren Säuglingen und Kleinkindern untersucht. Insbesondere wurde in zwei klinischen Studien mit Kindern zwischen zwei und fünf Jahren die Fähigkeit von Synflorix untersucht, in dieser Altersgruppe im Vergleich zu anderen Altersgruppen Antikörper zu bilden. Die Kinder erhielten in der ersten Studie eine Dosis Synflorix, in der zweiten Studie zwei Dosen.

Welchen Nutzen hat Synflorix in diesen Studien gezeigt?

In der Studie zu invasiven Erkrankungen erwies sich Synflorix als wirksam zum Schutz gegen invasive Erkrankungen: Bei den 10 000 Kindern, die drei Dosen Synflorix sowie eine Auffrischimpfung erhalten hatten, trat kein Fall auf, bei den 10 000 Kindern, denen zwei Dosen Synflorix sowie eine Auffrischimpfung gegeben wurden, trat ein Fall auf und bei den 10 000 Kindern, die den Vergleichsimpfstoff erhalten hatten, waren es 12 Fälle.

Außerdem wurde gezeigt, dass Synflorix die Häufigkeit des Auftretens von Pneumonie senkt. In der Großstudie, die sich im Wesentlichen auf Pneumonie konzentrierte, betrug bei den mit Synflorix geimpften Kindern der Prozentanteil von Kindern mit bakterieller Pneumonie 2,3 % (240 von über 10 000) im Vergleich zu 3 % (304 von über 10 000) bei den Kindern, die den Vergleichsimpfstoff erhalten hatten.

In der Studie zur Untersuchung der Wirksamkeit gegen Otitis media verhinderte der Prüfimpfstoff, der die gleichen Polysaccharide wie Synflorix enthielt, eine Otitis media wirksamer als der Vergleichsimpfstoff. Bei Kindern, die den Impfstoff erhielten, trat eine erste Episode von durch S. pneumoniae verursachten akuten Otitis media nur etwa halb so häufig auf wie bei den mit dem Vergleichsimpfstoff behandelten Kindern. Aufgrund eines Vergleichs der Immunreaktion auf Synflorix mit dem in der Studie verwendeten Impfstoff ist zu erwarten, dass Synflorix einen ähnlichen Schutz vor durch S. pneumoniae verursachter akuter Otitis media verleiht.

In der Immunogenitätsstudie bewirkte Synflorix eine ähnliche Reaktion wie der Vergleichsimpfstoff auf die meisten der Polysaccharide von S. Pneumoniae, die beide Impfstoffe gemeinsam haben. Synflorix löste genauso wirksam wie der Vergleichsimpfstoff die Bildung von Antikörpern gegen fünf der Polysaccharide aus, die beide Impfstoffe enthielten (4, 9V, 14, 18C und 19F), war jedoch gegen zwei der Polysaccharide (6B und 23F) weniger wirksam als der Vergleichsimpfstoff. Außerdem löste Synflorix wirksam die Bildung von Antikörpern gegen die drei zusätzlichen Polysaccharide (1, 5, 7F) aus.

Die weiteren Studien zeigten, dass Synflorix einen Anstieg der Antikörperproduktion nach Auffrischimpfungen bewirkt. Die Studien mit Säuglingen und älteren Kleinindern zeigten, dass Synflorix zwar eine geringere Antikörperreaktion als der Vergleichsimpfstoff auslöste, jedoch die vorgegebenen  Kriterien erfüllte und als akzeptabel in dieser Gruppe betrachtet wurde. Bei den Tests an Zwei- bis Fünfjährigen war das Ansprechen auf Synflorix dem der jüngeren Altersgruppe ähnlich, wobei bei den Kindern, die zwei Dosen erhielten, bessere Ergebnisse erzielt wurden.

Welches Risiko ist mit Synflorix verbunden?

Die häufigsten Nebenwirkungen von Synflorix (beobachtet bei mehr als 1 von 10 Patienten) waren Schmerzen, Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle, Fieber, Schläfrigkeit, Reizbarkeit und Appetitverlust. Die meisten dieser Reaktionen waren leicht bis mittelschwer ausgeprägt und hielten nicht lange an. Die vollständige Auflistung der im Zusammenhang mit Synflorix berichteten Nebenwirkungen ist der Packungsbeilage zu entnehmen.

Bei Patienten mit hohem Fieber darf das Synflorix nicht angewendet werden, hingegen kann die Impfung bei Kindern mit einer leichten Infektion wie einer Erkältung durchgeführt werden. Die vollständige Auflistung der Einschränkungen ist der Packungsbeilage zu entnehmen.

Warum wurde Synflorix zugelassen?

Der CHMP stellte fest, dass die Reaktion des Immunsystems auf Synflorix mit der Reaktion auf den Vergleichsimpfstoff, der ebenfalls für den Schutz von Kindern vor S. pneumoniae in der EU zugelassen ist, vergleichbar war. Der Ausschuss stellte ferner fest, dass Synflorix zusätzliche Polysaccharide der Typen von S. pneumoniae enthält, die für Erkrankungen in Europa verantwortlich sind. Daher gelangte der CHMP zu dem Schluss, dass der Nutzen von Synflorix gegenüber den Risiken überwiegt, und empfahl, die Genehmigung für das Inverkehrbringen zu erteilen.

Welche Maßnahmen werden zur Gewährleistung der sicheren und wirksamen Anwendung von Synflorix ergriffen?

Es wurde ein Risikomanagementplan entwickelt, um sicherzustellen, dass Synflorix so sicher wie möglich angewendet wird. Auf der Grundlage dieses Plans wurden Sicherheitsinformationen in die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels und die Packungsbeilage für Synflorix aufgenommen, einschließlich geeigneter Vorsichtsmaßnahmen für Angehörige der Heilberufe und Patienten.

Weitere Informationen über Synflorix

Am 30. März 2009 erteilte die Europäische Kommission eine Genehmigung für das Inverkehrbringen von Synflorix in der gesamten Europäischen Union.

Quellenangabe:

Europäische Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency)

Dies ist eine Zusammenfassung des Europäischen Öffentlichen Beurteilungsberichts (EPAR) für Synflorix. Hierin wird erläutert, wie der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) das Arzneimittel beurteilt hat, um zu seinem befürwortenden Gutachten zur Erteilung der Genehmigung für das Inverkehrbringen und seinen Empfehlungen zu den Anwendungsbedingungen für Synflorix zu gelangen.

Den vollständigen Wortlaut des EPAR für Synflorix finden Sie hier:

http://www.ema.europa.eu/ema/index.jsp?curl=pages/medicines/human/medicines/000973/human_med_001071.jsp&mid=WC0b01ac058001d124

Den vollständigen Wortlaut des EPAR für Synflorix finden Sie auf der Website der Agentur: ema.europa.eu/Find medicine/Human medicines/European Public Assessment Reports. Wenn Sie weitere Informationen zur Behandlung mit Synflorix benötigen, lesen Sie bitte die Packungsbeilage (ebenfalls Teil des EPAR) oder wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Diese Zusammenfassung wurde zuletzt im 10-2014 aktualisiert.